Gewinnprogression und Verlustprogression bei Sportwetten

Progression ist ein Terminus, der in unterschiedlichen Fachgebieten verwendet wird (bspw. Steuerrecht, Musik, Biologie oder Linguistik). Im Fall der Sportwette ist das mathematische Verständnis von Progression interessant.

Eine Progression, oder auch Folge bzw. Sequenz, meint in der Mathematik nichts anderes, als eine Auflistung von fortlaufend nummerierten Objekten – Zahlen beispielsweise. Diese Liste kann endlich oder auch unendlich geführt sein.

 
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Eine unendliche Folge lässt sich nicht vollständig aufzeichnen. Daher liegt jeder Progression ein Bildungsgesetz zugrunde. Das heißt, dass das Verhältnis eines Objektes bzw. Gliedes zu seinen voran gegangenen einer Logik folgt.

Ein solches Muster zu erkennen, ist beispielsweise beliebte Aufgabenstellung in Intelligenztests. Da heißt es dann etwa: „Führen sie diese Zahlenfolge logisch fort: 1, 2, 1, 3, 1, 4, 1, 5, 1, 6, …“

 

 

Icon Pfeil rechtsAuf die Sportwette umgelegt, kann die Progression als Grundlage eines Spielsystems, einer Wettstrategie, dienen. Progression bedeutet hier nichts anderes, als den Einsatz von Wette zu Wette nach einem festgelegten Prinzip zu erhöhen.

 

Progression als Wettstrategie

Grundlagen: Gewinnprogression vs. Verlustprogression

Dem Wettstrategen stehen zwei Progressionsstrategien zur Auswahl: Er kann den Wetteinsatz immer nach einem Gewinn erhöhen, dies wäre eine Gewinnprogression, oder nach einem Verlust und damit die Strategie der Verlustprogression wählen. Die Strategie der Gewinnprogression wird auch als Paroli-Spiel, jene der Verlustprogression als Martingalespiel bezeichnet.

Mit der Verlustprogression wird das Ziel verfolgt, vorangegangene verlorene Einsätze über eine gewonnene Wette ganz oder teilweise wieder herein zu holen. Sollen Verluste mit nur einem einzigen Gewinn kompensiert werden, so muss natürlich der Einsatz von Mal zu Mal stark erhöht werden. Illustrieren wir die weiteren Ausführungen gleich anhand eines Beispiels.

Um das Beispiel simpel zu halten, gehen wir davon aus, dass jede Wette zu einer Quote von 2,0 abgeschlossen wird. Dieser Multiplikator legt nahe, den Einsatz nach jedem Verlust beispielsweise um das Doppelte zu erhöhen, also eine Progression zu wählen, die dieser Zahlenfolge entspricht: 1, 2, 4, 8, 16, 32, usw.

Diese Sequenz garantiert nämlich, dass, wenn schließlich eine Wette gewonnen wird, alle bisher verlorenen Einsätze mit einem Schlag zurück erlangt und darüber hinaus auch noch ein kleiner Gewinn lukriert wird. Hier eine Veranschaulichung:

 

Wette Wetteinsatz Ergebnis Bruttogewinn/Verlust
1. Wette  50 Euro Wette verloren -50 Euro
2. Wette  100 Euro Wette verloren -100 Euro
3. Wette  200 Euro Wette verloren -200 Euro
4. Wette 400 Euro Wette gewonnen +800 Euro

 
In diesem Beispiel wurden, alle Wetteinsätze zusammengezählt, 750 Euro aus der eigenen Tasche einbezahlt. Die letzte Wette hat den Einsatz aus dieser Wette von 400 Euro zurück gebracht plus zusätzlich 400 Euro an Gewinn. Werden die Einsätze von Wette 1 bis 3 von diesem Gewinn abgezogen, so bleibt ein Nettoerlös von 50 Euro. (Wetteinsätze aller 4 Wetten im Beispiel = 750 Euro, Bruttogewinn der 4. Wette = 800 Euro – bleibt unterm Strich ein Nettogewinn von 50 Euro)

Während die Verlustprogression ansetzt, sobald verloren wurde, ist der Gedanke der Gewinnprogression ein anderer: Es wird “dran geblieben”, so lange es funktioniert und der Einsatz auf Basis von vorangegangenen Gewinnen erhöht.

Es wird also nicht verlorenes Geld zurück erspielt, sondern der Gewinn wird weiter investiert um eventuell noch mehr Gewinn zu machen. Diese Strategie hat einen psychologischen Vorteil: Wenn die Glückssträhne endet bevor abgebrochen wird, so bleibt das Gefühl, nicht eigenes Geld verloren zu haben. Denn vor dem Gewinn hatte der Spieler es ja noch gar nicht.

Bei der Verlustprogression können hingegen irgendwann einmal die Nerven reißen: Mit jeder Verdoppelung des Einsatzes, die vorgenommen werden muss, geht mehr an „eigenem“ Geld verloren. Der Druck, und das Gefühl, eine falsche Entscheidung gefällt zu haben, wächst also von Wette zu Wette – und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass vorzeitig abgebrochen wird.

Bleiben wir bei der Beispielsquote von 2,0 und bei der genannten Zahlenfolge (1, 2, 4, 8, 16, 32, usw.), so ergibt sich bei der Gewinnprogression am Ende ein anderes Bild:

 

Wette Wetteinsatz Ergebnis Bruttogewinn/Verlust
1. Wette 50 Euro Wette gewonnen +100 Euro
2. Wette 100 Euro Wette gewonnen +200 Euro
3. Wette 200 Euro Wette gewonnen +400 Euro
4. Wette 400 Euro Wette verloren -400 Euro

 
Aus der eigenen Tasche wurden zu Beginn 50 Euro gestellt. Die wurden gemeinsam mit dem Reinerlös als neuer Einsatz immer weiter investiert. In der letzten Wette geht der Einsatz verloren und damit auch die Euro 50.

Das Beispiel zeigt, dass bei der Gewinnprogression unter den gewählten Determinanten eine andere Zahlenfolge angebracht ist, sofern danach getrachtet wird, nach der verlorenen Wette positiv auszusteigen. Dies würde beispielsweise die Progression 1, 2, 3, 4, 5, usw. ermöglichen.

Diese Zahlenfolge hat nicht das Bildungsgesetz einer Verdoppelung der jeweils vorangegangenen Zahl zugrunde, sondern jede nachfolgende Zahl wird um eine Einheit erhöht. Eine Einheit entspricht immer der ersten Zahl in der Progression, in unserem Beispiel sind das 50 Euro. D. h. jeder Folgeeinsatz wird um Euro 50 erhöht:

 

Wette Wetteinsatz Ergebnis Bruttogewinn/Verlust
1. Wette 50 Euro Wette gewonnen +100 Euro
2. Wette 100 Euro Wette gewonnen +200 Euro
3. Wette 150 Euro Wette gewonnen +300 Euro
4. Wette 200 Euro Wette verloren -200 Euro

 
Auch diesmal wurden aus der eigenen Tasche zu Beginn 50 Euro gestellt. Nach der zweiten Runde sind die wieder erwirtschaftet, da von den erhaltenen Euro 200 nur Euro 150 weiter investiert werden. Aus der dritten Runde werden schon Euro 100 an Reingewinn mitgenommen. Natürlich besteht hier das kleine Risiko, dass wenn schon die 2. Wette verloren geht, auch der ursprüngliche Einsatz weg ist.

 

Serie gebrochen – was dann?

Die Progression als Kurz- oder Langzeitstrategie

Wie geht es nun weiter, wenn die Gewinn- oder Verlustserie gebrochen wird? Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, welche Progression gewählt wird.

Zahlenfolgen, die bei nur einem einzigen gegenteiligen Ergebnis zu keinem Verlust sondern sogar zu einem Gewinn führen – also bspw. das oben dargestellte „Doublieren“ (= verdoppeln des vorangegangenen Einsatzes) als Verlustprogression, auch Martingale classique genannt – ermöglichen es, relativ bald einen positiven Schlusspunkt zu setzen.

Der Bruch der Serie ermöglicht natürlich auch einen Neubeginn – mit demselben oder auch einem anderen Grundeinsatz. Sollte der Spieler danach verlieren, so könnte er eine Verlustprogression anknüpfen bzw. wenn er gewinnt, eine Gewinnprogression.

 
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Zwei mehr auf lange Sicht ausgelegte Strategien, die mit dem ersten Bruch der Serie nicht gleich Einsatz oder Gewinn zurückbringen, sondern auf einen positiven Schnitt im Verlauf der Zeit setzen, sollen nachfolgend vorgestellt werden. Weil der Bruch der Serie nicht auch gleich Erfolg bringt, wird die Strategie nach diesem Bruch auch nicht beendet, sondern innerhalb der Progression wird zurück gestuft:

Die erste Strategie legt die Fibonacci-Folge, die bereits in der Antike bekannt ist, zugrunde. In dieser Progression ergibt sich jede Folgezahl aus der Addition der beiden vorangegangenen Zahlen: 0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, usw. Im Glücksspiel kommt sie als Verlustprogression zum Einsatz.

Wird die Verlustserie durch einen Gewinn gebrochen, wird in der Zahlenfolge zwei Stufen zurück gestuft. D.h. jeder Gewinn führt zu einer Verringerung des Wetteinsatzes (um zwei Progressionsstufen), jeder Verlust zu einer Steigerung (um eine Progressionsstufe).

Ein Rechenbeispiel zur Quote 2,0, wobei eine Einheit Euro 50 ist:

 

Wette Wetteinsatz Ergebnis Bruttogewinn/Verlust
1. Wette 50 Euro Wette verloren -50 Euro
2. Wette 50 Euro Wette verloren -50 Euro
3. Wette 100 Euro Wette verloren -100 Euro
4. Wette 150 Euro Wette verloren -150 Euro
5. Wette 250 Euro Wette gewonnen +500 Euro
6. Wette 100 Euro Wette gewonnen +200 Euro
7. Wette 50 Euro Wette verloren -50 Euro

 
In diesem Beispiel steigt der Wettstratege noch nicht positiv aus. Würde er nach der 7. Wette abbrechen, so wäre das ein Minus von Euro 50. Aber das Beispiel zeigt zumindest die Idee dahinter: Mit nur 2 gewonnenen Wetten sind fast 5 verlorene ausgeglichen. Als Langzeitstrategie kann die Fibonacci-Folge deshalb durchaus herangezogen werden.

Die zweite Strategie fußt auf der Sequenz 1, 2, 3, 4, 5, 6, usw. Die Strategie dazu wird dem französischen Mathematiker Jean Baptiste le Rond d’Alembert zugeschrieben, weshalb die Zahlenfolge im Glücksspiel als Progression d’Alembert bekannt ist. Auch hierbei handelt es sich um eine Strategie aus der Verlustprogression:

Nach jedem Verlust wird der Einsatz um eine Einheit erhöht, nach jedem Gewinn um eine Einheit reduziert. Ein Rechenbeispiel zur Quote 2,0 und dem Wert einer Einheit von Euro 50:

 

Wette Wetteinsatz Ergebnis Bruttogewinn/Verlust
1. Wette 50 Euro Wette verloren -50 Euro
2. Wette 100 Euro Wette verloren -100 Euro
3. Wette 150 Euro Wette verloren -150 Euro
4. Wette 200 Euro Wette gewonnen +200 Euro
5. Wette 150 Euro Wette verloren -150 Euro
6. Wette 200 Euro Wette verloren -200 Euro
7. Wette 250 Euro Wette gewonnen +500 Euro

 
Nach der 7. Wette stehen auf der Soll Seite Euro 200 – also handelt es sich vorläufig noch um ein Minusgeschäft. Die Strategie nach d’Alembert wird als Contre d’Alembert auch als Gewinnprogression eingesetzt, sozusagen als Gegenstrategie (franz. contre = gegen).

Die Progression als Strategie wurde ursprünglich im Roulette eingesetzt. Dort herrschen idealtypische Bedingungen: Rot/Schwarz oder auch Gerade/Ungerade bspw. repräsentieren einfache Chancen und der Multiplikator ist immer derselbe. Wie jeder Wettfreund weiß, sind die Multiplikatoren und Wahrscheinlichkeiten bei Sportwetten sehr unterschiedlich und komplex. Daher umso wichtiger:

 

Vor dem Spiel: Strategie und Bedingungen festlegen

Folgende Fragen sind u. a. zu bedenken bzw. vorab zu klären:

  • Welche der möglichen Progressionen passt zu mir? Die persönliche Trefferquote kann bspw. helfen, die Brauchbarkeit von Langzeitstrategien einzustufen.
  • Sollte ich einen Quotenrahmen definieren, innerhalb dessen ich mich bewege (bspw. alle Quoten die zw. 1,5 und 2,5 liegen)? Zu Bedenken ist, dass die Quote nicht nur die Höhe des Gewinns beeinflusst, sondern auch eine Wahrscheinlichkeit durch die berechnete Wettquote repräsentiert wird.
  • Auf Wahrscheinlichkeiten kann man sich natürlich nicht verlassen. Aber sollte ein Quotenrahmen definiert sein, können mit dem Mittelwert zumindest mögliche Szenarien rechnerisch durchgespielt werden.
  • Wie stark sind meine Nerven? Bei der Verlustprogression ist das Doublieren, wo der Einsatz und damit auch der emotionale Druck schneller anwachsen bestimmt „problematischer“ als beispielsweise die d’Alembert Progression.
  • Bei welcher Verlust-/Gewinnsumme setze ich mein Limit?

 

zu den Wettstrategien

 

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About the Author

Daniela
Daniela ist eine Spätberufene. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst für eine Full-Service-Agentur, bevor sie im Jahr 2012 den Sport und die Sportwette durch Zufall für sich entdeckte. Ihre besondere Vorliebe gilt der Auseinandersetzung mit neuen Themen, weshalb sie sich bevorzugt mit Strategien, sonstigem Sportwetten Know-How und neuen Wettanbietern befasst.

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