Nach etlichen Favoritensiegen offenbarte das in Frankreich erstmals aufgeführte Achtelfinale erst am Montagabend seinen tieferen Sinn: Mit einem 2:1 gegen England sorgten die Isländer dafür, dass es der Gastgeber auch in der Runde der besten Acht nur mit einem Zwerg zu tun bekommt.

Nach dem bisherigen Turnierverlauf kann man das zwergenhafte Wesen des EM-Neulings mittlerweile jedoch freilich fast nur noch auf das Herkunftsland beziehen: Mit gerade einmal rund 330.000 Einwohnern scheinen die Nordeuropäer in einem EM-Viertelfinale denkbar deplatziert zu sein.

 

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Da letztlich aber eben auch im Fußball nicht immer die Größe zählt, mischen die Isländer dennoch völlig verdientermaßen weiterhin in Frankreich mit – immerhin ließen die bisherigen Auftritte bei der Endrunde eine beachtliche Schneise der Verwüstung zurück.

Die äußerst erfolgreichen ersten Gehversuche bei einem großen Turnier haben vor allem die niederländische Elftal rehabilitiert: Dass der WM-Dritte bereits in der Quali an Island scheiterte, nimmt man den Holländern mittlerweile nur noch halb so krumm.

 

Wettquoten Vergleich zu Frankreich vs. Island*:

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zum Anbieterzum Anbieterzum Anbieterzum Anbieterzum Anbieterzum Anbieterzum Anbieterzum Anbieter
Frankreich1,441,501,451,431,471,441,451,45
Unentschieden4,754,304,604,704,754,204,804,00
Island8,006,508,007,006,508,508,508,00

*nach regulärer Spielzeit
 

Im Mutterland des Fußballs dürfte es dagegen noch eine ganze Weile dauern, bis man den ersten Pflichtspiel-Vergleich mit den anderen Insel-Kickern verarbeitet hat – die überraschende Pleite im Achtelfinale löste in England durchaus vorhersehbare Schockwellen aus.

 

Island wächst über sich hinaus

Nun mag es zwar vor allem der traditionell etwas zu optimistischen Anspruchshaltung geschuldet sein, dass das Scheitern der Three Lions als nationale Schande gebrandmarkt wird: Dennoch war es schon durchaus peinlich, wie sich die Truppe von Roy Hodgson in Nizza den Schneid abkaufen ließ.

Mit einem an Zielstrebigkeit, Entschlossenheit und bisweilen sogar Spielwitz überlegenem Auftritt stellten sich die Isländer als der völlig verdiente Sieger heraus: Für den größten Erfolg der Fußball-Geschichte machte sich noch nicht einmal die anfänglich erwartete Abwehrschlacht erforderlich.

 
20160627_PD8487 (RM) Ragnar Sigurdsson Fallrueckzieher - VALERY HACHE / AFP / picturedesk.comBild: Auch die Isländer, wie hier Ragnar Sigurdsson gegen England, haben bei der EURO bewiesen, dass sie stets für sehenswerte Aktionen gut sind. (Photo-Credit: VALERY HACHE / AFP / picturedesk.com)
 

Zwar wurde den Engländern naturgemäß über weite Strecken großzügig das Spielgerät überlassen, dennoch spielte sich das Geschehen meist in beruhigender Entfernung zum eigenen Strafraum ab – gegen erschreckend abbauende Three Lions konnte von einem Zitterspiel kaum die Rede sein.

Dies gilt umso mehr, weil die Isländer bis tief in die Schlussphase immer wieder gefährliche Gegenzüge starteten: Insbesondere in der zweiten Halbzeit schien die Mannschaft von Lars Lagerbäck einem weiteren Treffer sogar etwas näher zu sein.

Nachdem bereits der ungeschlagene Durchmarsch in der Vorrunde sämtliche Erwartungen übertraf, war somit auch das bisherige Meisterstück kein Hexenwerk: Der große Underdog profitierte lediglich davon, bisher in jedem Spiel ein kleines bisschen besser geworden zu sein.

 

Frankreich gegen Island, die bisherigen elf Duelle:

DatumBewerbHeimAuswärtsErgebnis
27.05.2012TestspielFrankreichIsland3:2
09.10.1999EM-QualifikationFrankreichIsland3:2
05.09.1998EM-QualifikationIslandFrankreich1:1
20.11.1991EM-QualifikationFrankreichIsland3:1
05.09.1990EM-QualifikationIslandFrankreich1:2
29.04.1987EM-QualifikationFrankreichIsland2:0
10.09.1986EM-QualifikationIslandFrankreich0:0
03.09.1975EM-QualifikationFrankreichIsland3:0
25.05.1975EM-QualifikationIslandFrankreich0:0
01.09.1957WM-QualifikationIslandFrankreich1:5
02.06.1957WM-QualifikationFrankreichIsland8:0

 

Hat der EM-Debütant noch immer Luft nach oben?

Hatte Cristiano Ronaldo nach dem anfänglichen 1:1 seiner Portugiesen noch die “schwache Mentalität” des mit Zähnen und Klauen das Remis verteidigenden Gegners beklagt, begannen sich die Isländer bald darauf dann tatsächlich nur noch für das Siegen zu interessieren.

Blieb der Mannschaft ein solcher Turnier-Dreier gegen Ungarn noch aufgrund eines späten Eigentors versagt, wurden danach die Österreicher zum ersten prominenten Opfer – und mit England musste sich nun obendrein auch noch ein echtes Schwergewicht den Galliern aus dem Norden beugen.

 

“Das war unser bestes Spiel – bis jetzt. Aber wir haben noch nicht alles gezeigt, was wir können. Ich hoffe, dass unser bestes Spiel erst noch kommt.”
Heimir Hallgrímsson ist zuversichtlich, dass sein Team gegen Frankreich eine weitere Steigerung in petto hat.

 

Dass der EM-Neuling derart kontinuierlich überraschen kann, ist dabei vor allem auf eine penibel eingehaltene Verhaltensregel zurückzuführen: Obwohl sich die Isländer hauptsächlich auf das Verteidigen konzentrieren, wurde bisher in keinem Spiel das Toreschießen vergessen.

 
EM 2016 Frankreich gegen Island
 

Dabei müssen es noch nicht einmal unbedingt die immer gern genommenen Standards sein: Derweil drei der sechs erzielten Tore Einwürfen bzw. Elfmetern entsprangen, wurden die jeweiligen Siegtreffer gegen Österreich und England erstaunlich sauber herauskombiniert.

Bemerkenswert ist zudem, dass sich der Außenseiter auch von Rückschlägen nicht schrecken lässt: Dass etwa nach den Rückständen gegen Portugal und die Three Lions alles gegen ein glückliches Ende sprach, schien die Isländer überhaupt nicht zu interessieren.

 

Ohne Eleganz – aber mit Erfolg

In Saint-Denis bekommen es die Himmelsstürmer nun jedoch mit der einzigen anderen Mannschaft zu tun, die im Achtelfinale gleichfalls einen frühen Rückstand drehte – wenngleich die Aufholjagd der französischen Equipe natürlich deutlich weniger spektakulär erschien.

 

Icon Pfeil rechtsIn Lyon hatte es schließlich vielmehr für Aufsehen gesorgt, dass die Boys in Green der gegnerischen Übermacht überhaupt derart lange trotzten: So schien es nach 45 Minuten mit einem Male nicht mehr völlig undenkbar zu sein, dass der erste Titelanwärter gleich in der ersten K.o.-Runde zu Boden stürzt.

 

Gerade in jener Situation konnte der zweifache Europameister jedoch davon profitieren, dass er bereits in der Vorrunde Geduld gelehrt bekommen hat: Anders als bei den Last-Minute-Siegen gegen Rumänien und Albanien machte sich das Anrennen dieses Mal sogar schon deutlich eher bezahlt.

 

Ergebniswetten zu Frankreich vs. Island*:

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zum Anbieterzum Anbieterzum Anbieterzum Anbieterzum Anbieterzum Anbieterzum Anbieterzum Anbieter
1:0
5,506,005,255,005,506,505,005,00
2:0
6,006,005,505,206,006,005,505,25
2:1
9,007,008,757,509,007,5010,08,50
0:0
9,008,508,009,509,509,0010,08,50
1:1
9,507,508,507,509,007,008,508,00
2:2
29,018,026,030,029,017,030,021,0
0:1
19,014,015,517,017,012,017,016,0
0:2
51,030,051,060,051,030,060,051,0
1:2
29,018,021,035,026,024,030,021,0

*nach regulärer Spielzeit
 

Mit einem Doppelschlag binnen von nur drei Minuten beförderte Griezmann das Achtelfinale nach einer guten Stunde in die vorgesehenen Bahnen – in der Folge konnten die Gastgeber den knappen Vorsprung dann ohne jede Mühe nach Hause schaukeln.

Dennoch mussten die Franzosen am Sonntag einmal mehr erfahren, dass es nicht nur von Vorteil ist, bei einem Turnier fast ausschließlich auf vermeintliches Kanonenfutter zu treffen: Über all die Abnutzungskämpfe kam der Motor der Equipe Tricolore noch immer nicht in Schwung.

 

Die Wettanbieter schicken Island heim

Auf das Stahlbad eines großen Erfolges musste die Elf von Didier Deschamps mangels gegnerischer Klasse bisher komplett verzichten – ersatzweise wird der mühsame Versuch unternommen, aus eher glanzlosen Pflichtsiegen das demnächst dringend benötigte Selbstvertrauen zu beziehen.

icon trend upGegen das Überraschungsteam aus Island sollte es “Les Bleus” zunächst allerdings nicht an der breiten Brust fehlen: Im Viertelfinale wird stattdessen einmal mehr das schon oft bewiesene Vermögen abgefragt, den eigenen Schweinehund bis zur allerletzten Minute zu quälen.

 

Video: Antoine Griezmann lobt seinen Teamkollegen Paul Pogba vor dem Viertelfinale. (Quelle: YouTube/SPOX)


 

Die lauf- und zweikampfstarken Isländer dürfte es schließlich in erster Linie beeindrucken, wenn ihnen auch in physischer Hinsicht Paroli geboten wird – die müden Engländer können bestätigen, dass mit spielerischer Dominanz allein kaum ein Blumentopf zu gewinnen ist.

Während die Three Lions im Achtelfinale jedoch zunehmend den Mut verloren, wird im französischen Nationalstadion schon allein das lautstarke Publikum dafür sorgen, dass der große Favorit des ständigen Anrennens nicht überdrüssig wird.

Gegen den bis dato nicht turniererprobten Außenseiter könnte der zu erwartende Hexenkessel ein ausschlaggebender Faktor sein: Gegen etwas eingeschüchterte Nordmänner fiele es sicherlich deutlich leichter, ein standesgemäßes Ergebnis herauszuschießen.

 

“Wenn wir so spielen wie in der zweiten Halbzeit, sind wir ein schwer zu bespielender Gegner. Die Fans waren großartig heute. Auch, als wir hinten lagen, standen sie immer hinter uns.”
Nach dem 2:1 gegen Irland wusste Dimitri Payet, dass auch dem Publikum Dank für die Aufholjagd gebührt.

 

icon statistikDen Prognosen der Wettanbieter lassen sich natürlich nur Andeutungen hinsichtlich des zu erwartenden Glanz-Faktors entnehmen. Durch die Bank sind sich die Buchmacher aber zumindest sicher, dass es in diesem Viertelfinale letztlich nur einen Sieger geben kann.

 

Krasse Außenseiterquoten sind ein nahezu untrüglicher Hinweis darauf, dass sich Island mit dem EM-Gastgeber etwas zu viel aufgebürdet hat – sollte sich der EM-Neuling dennoch die Sympathien der Franzosen verscherzen, können mutige Tipper von knapp zweistelligen Traumquoten profitieren.

Räumt die Equipe Tricolore dagegen auch das nächste Stolpersteinchen aus dem Weg, wird die erfüllte Pflicht lediglich mit der Rückzahlung des rund 1,4-fachen Einsatzes belohnt: Geht die Partie nach 90 Minuten in die Verlängerung, ist das “X” auf dem Tippschein für eine Quote von 4,8 gut.

 

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