Mit Ungarn hat sich eine Nation für die EM-Endrunde 2016 in Frankreich qualifiziert, die schon lange nicht mehr bei einem internationalen Fußball-Großereignis zu sehen war.

Zuletzt war das vor 30 Jahren der Fall, als die ungarische Auswahl bei der WM 1986 in Mexiko vertreten war. Damals wurde die von György Mezey betreute Mannschaft nach einer starken Qualifikation als Mitfavorit gehandelt, kassierte aber gleich im Auftaktspiel ein 0:6-Debakel gegen die UdSSR und schied schließlich nach der Vorrunde aus.
 

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Ein ähnliches Schicksal erlitten die Ungarn auch bei den WM-Endrunden davor, wobei man 1982 mit dem 10:1-Kantersieg über El Salvador immerhin einen WM-Rekord aufstellen konnte.

 

Wie weit kommt Ungarn bei der EM 2016?

 

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Ungarn ist im Achtelfinale ausgeschieden.

 

Das “Wunder von Bern” – eine ungarische Tragödie

Allerdings zählten die Ungarn einst zur absoluten Weltspitze und wurden auch zwei Mal Vize-Weltmeister. 1938 unterlag man in Frankreich im Finale Titelverteidiger Italien mit 2:4, aber 16 Jahre später sollte die Krönung bevorstehen.

 
HighlightBei der WM 1954 in der Schweiz galten die Ungarn als beste Mannschaft der Welt und waren hoher Favorit auf den Titel. Seit einer 1:2-Niederlage in einem Freundschaftsspiel gegen die Sowjetunion im Mai 1952 waren die Ungarn in Länderspielen unbesiegt und holten bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki die Goldmedaille.
 

Am 25. November 1953 fügten die Ungarn in London den Engländern mit 6:3 die erste Niederlage gegen eine kontinentaleuropäische Mannschaft zu und fertigten das “Mutterland des Fußballs” wenige Wochen vor dem WM-Beginn am 23. Mai 1954 in Budapest mit 7:1 ab.

Auch bei der Endrunde in der Schweiz wurde die Mannschaft um Ferenc Puskas, Nandor Hidgkuti, Sandor Kocsis und Jozsef Bozsik ihrer Favoritenrolle gerecht und siegten in der Vorrunde gegen Südkorea mit 9:0 und gegen Deutschland mit 8:3.

 

Das WM-Finale 1954. Für die Deutschen “Das Wunder von Bern”, für die Ungarn das genaue Gegenteil.
(Quelle: YouTube/Ammler75 )


 

Auf die Deutschen trafen die Ungarn allerdings später im Endspiel, das als “Wunder von Bern” in die Geschichte einging, wieder. Für den hohen Favoriten war es allerdings ein Alptraum. Zwar führte die Mannschaft von Gusztav Sebes bereits nach acht Minuten mit 2:0, die Deutschen glichen jedoch rasch aus und erzielten sechs Minuten vor Schluss durch Helmut Rahn den Siegtreffer zum 3:2.

 
HammerVon diesem Trauma hat sich der ungarische Fußball nicht erholt und erreichte später nie wieder die Klasse jener Zeit. Dennoch zählten die Ungarn auch in den 1960er-Jahren, als erstmals EM-Endrunden ausgetragen, noch zu den besten Nationen.
 

Denn bei der EM-Endrunde 1964 scheiterten die Spanier gegen den späteren Europameister Spanien erst nach Verlängerung und belegten Platz drei. Letztmals in der Weltelite waren die Ungarn dann bei der Endrunde 1972 als eines von vier qualifizierten Teams zu finden und verloren damals gegen die UdSSR.

 

Ein Comeback als Außenseiter

44 Jahre später sind die Ungarn wieder bei einer WM-Endrunde dabei, gelten jedoch als Außenseiter. Die EM-Wettquoten der Buchmacher für einen Turniersieg der Ungarn liegen zwischen 200 und 400 und schließen damit einen solchen nahezu aus.

Lediglich ein EM-Titel für Nordirland oder Albanien würde die Wettanbieter noch mehr überraschen. Wobei Ungarn sich zuletzt auch in der FIFA-Weltrangliste nach oben arbeiten konnte und im März 2016 dort auf Platz 19 zu finden war.

Dass die Ungarn in Frankreich mit dabei sein können, ist sicherlich auch auf die Aufstockung des Teilnehmerfeldes auf 24 Nationen zurückzuführen. Denn in der Qualifikation für die Endrunde belegten die Ungarn in der recht ausgeglichenen Gruppe F nur Platz drei hinter den fix qualifizierten Nationen Nordirland und Rumänien.

 
BallFinnland, die Färöer und auch Ex-Europameister Griechenland ließen die Ungarn hinter sich. Allerdings gelangen der Mannschaft des deutschen Trainers Bernd Storck (als Aktiver 146 Bundesligaspiele für Borussia Dortmund) insgesamt nur vier Siege, je zwei gegen Finnland und die Färöer, jeweils mit einem Tor Differenz.
 

Niederlagen gab es für die Ungarn nur im Auftaktmatch (1:2 gegen Nordirland) und im letzten Spiel (3:4 gegen Griechenland), die verbleibenden vier Partien endeten jeweils unentschieden.

Als Gruppen-Dritter mussten die Ungarn somit ins Playoff und setzten sich dort in beiden Spielen gegen Norwegen durch. Bereits die Auswärtspartie in Oslo konnte mit 1:0 gewonnen werden. Mit einem 2:1-Heimsieg in Budapest wurde die Endrundenqualifikation schließlich fixiert.

 
Infografik: Marktwert Spieler Ungarn EM 2016

Infografik: Ungarns Teamchef Bernd Storck muss ohne große Stars auskommen.

 

Keine Superstars im ungarischen Team

Dass die Ungarn in Frankreich dennoch zu den Außenseiter zählen, liegt auch daran, dass Trainer Storck auf keine großen Stars zurückgreifen kann, wenngleich zahlreiche Teamspieler in ausländischen Ligen tätig sind.

In Deutschland sind etwa der Hannoveraner Adam Szalai und der Nürnberger Zoltan Stieber engagiert. Ebenso wie Mittelfeldmann Laszlo Kleinheisler, der den wichtigen Treffer im Playoff in Oslo erzielte, bei Werder Bremen aber in dieser Saison nur selten zum Einsatz kam.

Ersatztorhüter Peter Gulacsi steht beim RB Leipzig im Tor, wird aber voraussichtlich auch in Frankreich nur zweite Wahl sein, denn im Tor steht mit Gabor Kiraly der wohl größte Star im ungarischen Team.
 

DetailWenn Kiraly bei der Endrunde zum Einsatz kommt, wird er bereits über 40 Jahre alt sein. Nach vielen Jahren im Ausland ist er in seine ungarische Heimat zurückgekehrt und spielt nun wieder bei seinem Stammklub Haladas Szombathely, von dem er 1997 in die deutsche Bundesliga wechselte.

 
Dort verbrachte er von 1997 bis 2004 seine wohl erfolgreichste Zeit bei Hertha BSC, als er mit den Berlinern auch in der Champions League zum Einsatz kam. Später spielte er auch in England bei Crystal Palace, Aston Villa und Burnley, ehe er ab 2009 fünf Jahre für 1860 München im Tor stand.

Mit über 100 Länderspielen ist Kiraly mittlerweile auch ungarischer Rekord-Internationaler. Beim 2:1-Sieg über Norwegen im November 2015 zog er mit Jozsef Bozsik (1947-1962 im ungarischen Team) gleich.

 

Wann scheidet Ungarn bei der EM 2016 aus?

 

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Ungarn ist im Achtelfinale ausgeschieden.

 

Erstmals seit 10 Jahren wieder Österreich-Ungarn

Bei der Auslosung der Endrunde wurde Ungarn im Dezember 2015 mit Portugal, Island und Österreich in eine Gruppe eingeteilt. Wenngleich etwa die Isländer in der Weltrangliste hinter den Ungarn klassiert sind, werden ihnen von den Buchmachern bessere Chancen auf ein Weiterkommen zugebilligt.

Das dürfte daran liegen, dass die Isländer sich sehr souverän für die Endrunde qualifiziert haben, obwohl sie mit Tschechien, den Niederlanden und der Türkei sehr harte Konkurrenz zu bekämpfen hatten.

So wäre ein Gruppensieg der Ungarn bei den meisten Wettanbietern deutlich mehr als der zehnfache Wetteinsatz wert, während es bei den Isländern nur etwa halb so viel zu gewinnen gäbe.

 
RufzeichenDer erste Gruppengegner der Ungarn in Frankreich wird am 14. Juni Österreich sein. Das verspricht ein sehr interessantes Duell zu werden, denn weltweit fand nur die Begegnung zwischen Argentinien und Uruguay (über 180 Länderspiele) häufiger statt als Österreich gegen Ungarn.
 

136 Begegnungen der beiden Nationen, die bis 1918 einer gemeinsamen Monarchie angehörten, gab es zwischen 1902 und 2006. Beim ersten Gruppenspiel in Bordeaux werden die beiden Nationen erstmals seit zehn Jahren wieder aufeinandertreffen.

Während die Ungarn aber in der Gesamtbilanz voranliegen, sind diesmal die Österreicher die klaren Favoriten. In der Qualifikation feierte die Mannschaft von Marcel Koller neun Siege in zehn Spielen, blieb als eines von vier Teams unbesiegt und kletterte damit bis auf auf Platz 10 der Weltrangliste.

 

Die Spiele von Ungarn von 14. bis 22. Juni – Vorrunde EM 2016

DatumAnstoßDuellQuoten1x2Erg.
14.06.18:00Österreich – UngarnBet365 Logo1,753,605,750:2
18.06.18:00Island – UngarnInterwetten Logo2,603,003,001:1
22.06.18:00Ungarn – PortugalTipico Logo10,04,001,433:3

 

Schlüsselspiel gegen Island

Von besonderer Bedeutung dürfte für die Ungarn die Begegnung mit Island am 18. Juni in Marseille werden. Denn in diesem Spiel werden dem zweimaligen Vizeweltmeister die besten Chancen auf ein Erfolgserlebnis zugetraut.
 

Allerdings setzten sich die Isländer in der Qualifikation gegen eine Großmacht wie die Niederlande durch und waren damit mitverantwortlich dafür, dass der WM-Dritte von 2014 bei der EM 2016 zum Zuschauen verurteilt ist.

 
Im Finish der Qualifikation ließen die Isländer allerdings nach, vergaben den Gruppensieg und fielen auch in der Weltrangliste hinter die Ungarn zurück. Als einer der wenigen Endrundenteilnehmer in Frankreich liegen die Isländer nicht in den Top 30.

 

EM-Abschied gegen Portugal?

Die Vorrunde endet für Ungarn am 22. Juni um 18 Uhr in Lyon mit dem Spiel gegen den Gruppenfavoriten Portugal. Die Portugiesen taten sich in der Qualifikation anfangs schwer, erkannten aber nach der Heimniederlage gegen Albanien den Ernst der Lage und ließen sich in der Folge nicht mehr überraschen.

Dabei überzeugten Cristiano Ronaldo und seine Kollegen vor allem mit Effizienz und taten selten mehr als nötig.

 
KalkulationEs ist durchaus möglich, dass die Ungarn auch zu diesem Zeitpunkt des Turniers noch eine Chance auf den Einzug ins Achtelfinale haben. Denn da neben dem Ersten und Zweiten jeder Gruppe auch die vier besten Gruppendritten in die Runde der letzten 16 einziehen, zählt jeder Punkt und möglicherweise auch jedes Tor.
 

Als Außenseiter in der Gruppe F wäre ein dritter Gruppenplatz für die Ungarn sicherlich ein Erfolg. Falls dieser zum Aufstieg reichen sollte, würde im Achtelfinale ein Sieger einer anderen Vorrundengruppe warten, voraussichtlich Titelverteidiger Spanien oder Weltmeister Deutschland.

Somit wäre ein Einzug der Ungarn ins Viertelfinale in jedem Fall eine große Überraschung. Eine andere Möglichkeit, dorthin zu gelangen wäre auch, als Gruppen-Zweiter auf den Zweiten der Gruppe B zu treffen. Dabei könnte es sich beispielsweise um Wales handeln, wo man zwar auch Außenseiter, aber nicht chancenlos wäre.

 

Alle Gruppen der EM 2016 im Überblick

Gruppen EM 2016

 

alle Wettquoten zur EM 2016 im Überblick